Für die Dauer der Jim-Dine-Ausstellung im Kunstfoyer wird eine monumentale Kopf-Skulptur in der städtischen Grünanlage vor dem Gebäude der Versicherungskammer Bayern/Kunstfoyer, Maximilianstraße 53, aufgestellt.

Das Programm des Kunstfoyers der Versicherungskammer Kulturstiftung startet 2019 mit einer Ausstellung über Selbstporträts. Im Zeitalter des „Selfies“ widmet es sich einem Großmeister dieses Genres, der einem breiten Publikum bislang eher durch seine zahlreichen Bilder mit Herz-Motiven bekannt ist: Jim Dine. Gezeigt werden 60 Selbstporträts – eine repräsentative Auswahl der großzügigen Schenkung des bald 84-jährigen Künstlers an die berühmte Sammlung Albertina in Wien, die Dine facettenreich präsentiert. Die Werkgruppe der Selbstbildnisse erlaubt einen eigenständigen, intensiven und überraschenden Dialog mit Künstler und Werk. Dine experimentiert mit vielseitigen Techniken und Materialien und thematisiert Jugend und Alter, Intimität und Extraversion sowie Serialität und Kreativität auf dem Papier. Seine Selbstporträts ermöglichen neue Einblicke in ein Schaffen, das man schon zu kennen glaubte.

Die Beschäftigung mit dem eigenen Porträt zieht sich wie ein roter Faden durch Jim Dines umfassendes und vielseitiges Gesamtœuvre. Schon als Kind übt der Spiegel auf Jim Dine, der 1935 in Cincinnati, Ohio, geboren wurde, eine Faszination besonderer Art aus. Diese wird zur Grundlage für eine intensive Beschäftigung mit dem Selbstporträt als einem immer wiederkehrenden Motiv. Nach dem Tod seiner Mutter 1947 lebt Dine bei seinen Großeltern, wo er schon bald seine Leidenschaft für das Zeichnen und die Kunst entdeckt. Nach seinem Kunststudium in Ohio, währenddessen er viele druckgrafische Techniken kennenlernt, übersiedelt er 1958 nach New York und wird rasch Teil der damals so innovativen und dynamischen Kunstwelt. Seine gegenständlichen Motive wie Bademäntel, Herzen, Werkzeuge oder Stiefel sind vor allem als Platzhalter seiner selbst zu interpretieren, als Vokabular seiner Gefühle, wie Dine es selbst erklärt. Diese – oberflächlich betrachtet – gegenstandsbezogene Kunst führte dazu, dass er missverständlicherweise mit Andy Warhol und Roy Lichtenstein zu den Mitbegründern der amerikanischen Pop Art der 1960er-Jahre gezählt wurde, wodurch die zutiefst subjektive Dimension seiner Kunst zunächst verstellt war. Ab den 1970er-Jahren taucht das Selbstporträt wieder in seinen Arbeiten auf und bleibt bis heute als Motiv der künstlerischen Selbstreflexion ganz wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit, denn Dine beschäftigt schon immer das Subjektive, das Innerste.


Isabel Siben

#1/19 Engagement