#1/19 Blickpunkt

Ein zweifacher Helfer

Bei Manuel Drexler (1PA05) wurden aus einem Ehrenamt zwei.


„Tut dir das weh?“, fragt Manuel Drexler den kleinen Jungen, der daraufhin den Kopf schüttelt. Ein Kind war beim „Kids to work“-Tag hingefallen. Als Stationsbetreuer macht der Auszubildende gleich spontan eine komplette Erstanamnese. Die Diagnose: nichts passiert. Zwei Minuten später hüpft das Kind wieder glücklich durch das Foyer der Warngauer Straße 30. So glimpflich gehen die Einsätze von Manuel Drexler selten aus. Denn der Auszubildende rückt bei seinen beiden Ehrenämtern aus, wenn es richtig gefährlich geworden ist, ein Haus brennt oder sich Menschen schwer verletzt haben. Als Schüler trat er gemeinsam mit einem Klassenkameraden in die Freiwillige Feuerwehr Furth bei Landshut ein, bei der er heute Gruppenführer ist. Vor vier Jahren kam dann sein Engagement beim Bayerischen Roten Kreuz dazu.

Manuel Drexler

Interesse an medizinischem Wissen

„Bei einem Erste-Hilfe-Kurs in der Feuerwehr merkte ich, dass ich mir mehr Wissen aneignen möchte“, sagt Manuel Drexler. Mittlerweile ist er angehender Rettungssanitäter. „Das Wohl meiner Mitmenschen liegt mir am Herzen. Es ist wichtig, sich medizinisch gut auszukennen. Erst gestern kam ich an einem Verkehrsunfall vorbei und konnte als Ersthelfer viel tun“, sagt Drexler.

Ein positiver Einsatz motiviert

Er ist bis zu zehn Stunden in der Woche ehrenamtlich aktiv. Dabei bekommt er viel zurück. Es macht ihm Spaß, die Gemeinschaft in den Ehrenamtsorganisationen zu erleben. Menschen helfen zu können, motiviert ihn. Die Atmosphäre ist wie in einer kleinen Familie; das Vertrauen untereinander ist groß, denn im Einsatz darf kein Fehler passieren. „Die Entscheidung für meine Ehrenämter habe ich nie bereut“, sagt Drexler. „Ich kann jedem empfehlen, sich zu engagieren. Hier im Unternehmen bietet es sich als erster Schritt zum Beispiel an, Ersthelfer zu werden.“

Kerstin Gubitz

Humanitäre Hilfe für das Tschernobyl-Gebiet

Bildergalerie
OstEuropaHilfe e.V.

Falko Scharf bringt Hilfsgüter ins Tschernobyl-Gebiet.

Hilfe für Menschen und soziale Ein­richt­ungen in Weiß­russland und der Ukraine hat sich die OstEuropaHilfe e.V. zur Aufgabe gemacht. Der erste Vor­sitzende des Vereins, Falko Scharf (C1MP05), engagiert sich hier seit vielen Jahren ehren­amtlich. Mit Last­wagen bringt er Hilfs­güter von Poing, östlich von München, bis zu 1 800 Kilometer weit in die Gegend, wo im Jahr 1986 die Reaktor­katastrophe von Tschernobyl alles radio­aktiv verseucht hat und wo die Menschen bis heute darunter leiden. In aller Bescheiden­heit erzählt er von seinem Engagement.

Podcast: 2:49 Minuten

interview mit Falko Scharf

Kontakt:

OstEuropaHilfe e.V., Tel. (0 89) 3 10 66 70

kontakt@oeh-poing.de

Jürgen Haux

Ein Katastrophen-Tag
im Schnee

Acht Männer im Schnee: die Helfer der Feuerwehr, angeseilt auf dem Dach

Sonntag, 13. Januar 2019: 5 Uhr morgens aufstehen, frühstücken, Thermounterwäsche anziehen, mit Freunden in Richtung Berge starten und einen Tag im Tiefschnee verbringen – so könnte auch ein schöner Skitag beginnen.

In diesem Fall begann so aller­dings der Katas­trophen­ein­satz. Statt Ski­fahren also Schnee­schaufeln.


Der Land­kreis Bad Tölz-Wolfrats­hausen hatte wegen der extremen Schnee­mengen den Katas­trophen­fall aus­gerufen und überörtliche Hilfe ange­fordert. Also trafen sich 52 Feuer­wehr­männer und -frauen von verschiedenen Feuer­wehren des Land­kreises Fürsten­feld­bruck, darunter auch zwei „Kämmerlinge“, morgens um 6 Uhr und machten sich mit elf Einsatz­fahrzeugen auf nach Reichers­beuern, einer 2 500-Einwohner-Gemeinde östlich von Bad Tölz.

Florian Ramsl (1UK) im Einsatz auf dem Dach der Grundschule Reichersbeuern

Der klebrige Schnee ließ sich nur mit viel Kraft von den Dächern schippen.

120 Zentimeter Schnee, über 45 000 Helfer, 490 000 Einsatzstunden

Dort galt es, die Mehr­zweck­halle und die Grund­schule von den Schnee­massen zu befreien. Auf den Dächern hatten sich bis zu 120 Zenti­meter nasser Schnee aufgetürmt, was eine sehr hohe Dach­last bedeutet. Ein älterer Anwohner schätzte die Lage so ein: „Mir ham ja scho öfter vui Schnee g’habt. Aber dass s’ glei vo auswärts kemma miaßn, des woa no nia.“


Das Dachräumen darf man sich nicht so einfach vor­stellen wie das Schnee­räumen einer Garagen­zufahrt oder eines Geh­wegs. Wegen der Absturz­gefahr dürfen nur aus­ge­bildete Helfer mit Gurten und Seilen auf das Dach. Die Berg­wacht Bad Tölz unter­stützte hierbei. Der sehr schwere und pappige Schnee rutschte selbst auf relativ steilen Dächern nicht und musste daher mühsam mit Schaufeln oder Schnee­hexen abgetragen werden. Die kräfte­zehrende Arbeit machte regelmäßige Ablösungen und Pausen notwendig. Dennoch war die Stimmung gut.


Trotz des am Mittag ein­setz­enden Regens konnten am Nach­mittag die letzten Schnee­felder geräumt werden. „Des glangt. Pack ma zamm“, war die einhellige Meinung. Bei der Abschluss­besprechung im Feuer­wehr­haus Reichers­beuern dankten der Bürger­meister und der örtliche Kommandant allen Helfern. Müde, aber zufrieden, dass geholfen werden konnte und niemand verletzt wurde, ging es auf den Heim­weg. Zu Hause wurde die Ausrüstung schnell zum Trocknen aufgehängt, denn schon am nächsten Tag wurde sie wieder gebraucht für den nächsten Einsatz im Schnee.


Insgesamt war das Hilfe­leistungs­kontingent des Land­kreises Fürsten­feld­bruck drei Tage in Aktion. In ganz Bayern waren nach Angaben des Landes­feuerwehr­verbandes Bayern rund 45 000 meist ehrenamtliche Helfer von Feuer­wehren, Berg­wacht, allen Hilfs­orga­ni­sa­tionen, dem THW, dem Lawinen­warn­dienst sowie der Poli­zei und Soldaten der Bundes­wehr tage­lang beschäftigt. Die Gesamt­zahl der Einsatz­stunden wird auf 490 000 geschätzt.


Ohne Ehren­amt wäre solch ein Engagement nicht möglich – und auch nicht ohne Arbeit­geber wie die Ver­si­che­rungs­kammer, die ihre Mit­ar­beiter für solche Aktionen frei­stellt.

Einsatzbericht des Landes­feuerwehr­verbands

 Florian Ramsl

Teil 1

Teil 2