#2/19 Blickpunkt

Mit die bekannteste Platt­form befindet sich in London in der King’s Cross Station. Hier startet – hinter einem unsicht­baren Portal – Harry Potter von Gleis 9 ¾ mit dem Hogwarts-Express ins Internat. So verborgen das geheime Gleis in der Geschichte der englischen Schrift­stellerin Joanne K. Rowling ist, so verwirrend ist die An­nähe­rung an den Begriff Platt­form insgesamt. Google spuckt im Bruch­teil einer Sekunde mehr als 108 Millionen Treffer aus. Grenzt man den Such­begriff auf „digitale Platt­formen“ ein, so sind es nur noch rund 17 Millionen Treffer.


Platt­formen scheinen in ihren unter­schied­lichen Aus­prägungen relevant zu sein. Aber was steckt genau dahinter? Und was hat das mit uns zu tun?

Der Be­griff Platt­form wird für diverse Phäno­mene ange­wandt. Auto­mobil­her­steller ver­wenden zum Beispiel schon länger Produkt-Platt­formen für ver­schie­de­ne Auto­modelle, um Kosten zu senken. Airbnb fungiert als elek­tro­nische Platt­form, um Angebot und Nach­frage für Unter­künfte zusammen­zu­bringen. In der Welt der Finanzen macht dies etwa Check24 und bietet auf einen Blick unter­schiedliche Ver­si­che­rungs­lösungen an – nicht nur für den fast schon gängigen jährlichen Wechsel des Kfz-Ver­si­che­rers. Und nicht zuletzt: Die von vielen benutzten vier Platt­formen Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) mit ihren mannigfaltigen Angeboten haben heute eine Markt­kapitali­sierung von annähernd 1,5 Billionen Euro. Das entspricht fast der Hälfte des deutschen Brutto­inlands­produkts.


Im Grünbuch „Digitale Platt­formen“ des Bundes­ministeriums für Wirt­schaft und Energie (BMWi) versteht man unter digitalen Platt­formen „internet­basierte Dienste, die durch Aggregation, Selek­tion und Präsentation Auf­merk­sam­keit für Inhalte erzeugen“. Oder anders ausgedrückt: Digitale Platt­formen können als Produkte, Dienst­leistungen oder Techno­logien verstanden werden, auf deren Basis eine Viel­zahl von Firmen komplementäre, also sich ergänzende Produkte, Dienste und Techno­logien anbietet.




Dabei handelt es sich im Unter­schied zum vergangenen Industrie­zeit­alter nicht bloß um eine techno­lo­gische Inno­vation. Vielmehr verändern sich dabei bekannte Geschäfts­modelle grund­legend. Diesem Wandel muss sich auch die Ver­si­che­rungs­kammer stellen. Sie tut es erfolg­reich – hier zwei Beispiele:

Digitale Plattform rund ums Wohnen

Wer heute über den Schutz seiner eigenen vier Wände nach­denkt, der hat nicht allein eine Ver­si­cherung im Sinn. Viel­mehr ermöglicht das Inter­net of Things mit seinen digitalen Smart-Home-Lösungen, die Sicher­heit in den eigenen vier Wänden zu steigern. „Wir wollen ganz­heit­liche Lösungen an­bieten und für unsere Kunden greif­barer werden“, sagte jüngst Vor­stand Barbara Schick auf dem Jahres­presse­gespräch. Deshalb arbeitet die Ver­si­che­rungs­kammer unter anderem mit Conrad Electronic, Fing sowie Mila zusammen und bietet auf der eigenen Homepage (www.vkb.de/smarthome) einen Zugang zu einer digitalen Platt­form an. Hier können Smart-Home-Techniken mit Rabatt gekauft, installiert und miteinander ver­bunden werden. Weiter ist es möglich, den Not­fall­assistance-Service der Ver­si­che­rungs­kammer über die CombiRisk zu nutzen. So kann unmittel­bar, wenn es zu einem Schaden­fall kommt – bei­spiels­weise wenn ein Rauch­melder oder Wasser­sensor einen Alarm auslösen –, ein Signal an die Notruf­leit­zentrale der Ver­si­che­rungs­kammer gesendet werden. Auch ist es möglich, das eigene WLAN gegen Fremd­zu­griffe und Hack-Attacken zu schützen.

Digitale Plattform PflegePartner

Der neue Service „PflegePartner“ berät und unterstützt Kunden und deren Angehörige im Pflegefall. Er bündelt verschiedene pflegebezogene Beratungs-, Online- und Serviceleistungen auf einer digitalen Plattform und deckt alle zentralen Bedürfnisse rund um die Pflege ab. Dazu zählen unter anderem die Unterstützung beim Erstantrag auf Pflegeleistungen oder die Organisation der Pflegesituation. Der neue 7/24-Service steht den Versicherten in der privaten Pflegeversicherung der beiden Krankenversicherer zur Verfügung. Mehr zu diesen und weiteren Ökosystemen siehe Seite 10.


Digitale Plattformen sind, genau wie Ökosysteme, somit das, was Aristoteles schon vor über 2 300 Jahren wusste: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Richtig verstanden und in den heutigen Alltag überführt, tragen sie zur Zukunfts­fähigkeit der Ver­si­che­rungs­kammer bei. Als sicht­bares Portal sind sie zudem uns allen und nicht nur Harry Potter zugänglich.

Stefan Liebl