#2/20 Fakten + Hintergründe

Was ist ein „Digital Twin“?

Kompakte Infos zu einer spannenden und vielseitigen Technologie

Technologie für alle

Innovation Campus
erklärt

Inzwischen gibt es viele neue Techno­lo­gien, digitale Angebote und inno­vative Methoden. Da kann man leicht den Über­blick verlieren. Genau deshalb hat es sich der Innovation Campus zur Aufgabe gemacht, Sie auf dem Laufenden zu halten. Die Experten wählen Schwer­punkt­themen aus und stellen sie Ihnen regelmäßig im innen­report vor. Mit der Serie „Technologie für alle – der Inno­vation Campus erklärt …“ bleiben Sie ohne große Recherchen auf dem aktuellen Stand. In der zweiten Folge widmet sich der Inno­vation Campus dem „Digital Twin“.

Noch Fragen zum „Digital Twin“?

Die neue Event­reihe „Fridays for Innovation“ informiert Sie über Schwer­punkt­themen des Innovation Campus. In ungezwungenem Rahmen können interessierte Kolleg*innen mehr zum Thema erfahren und mitdiskutieren. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Verzögerungen haben wir uns ent­schieden, die Ver­an­staltung digital an­zu­bieten. Denn wir wollen zeitnah Ihre Fragen klären und uns mit Ihnen aus­tauschen. Termin und Anmelde­informationen finden Sie im Intranet.

Wie der Name schon verrät: Der digitale Zwilling ist das virtuelle Abbild eines realen Prozesses, Dienstes oder Produktes. Mit dem Verfahren können Unternehmen nahezu alles „virtualisieren“. Grenzen bestehen eigentlich kaum: Von der Maschine bis zur Fabrik, vom Auto und dessen Fahreigenschaften bis zu ganzen Städten – alles kann per Computer erfasst und virtuell nachgebildet werden. Anschließend können etwa Entwickler Funktionen verändern, neue Einstellungen testen und komplexe Simulationen berechnen, zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher Verfahren.

Möglich wird das, weil Digital Twins viel mehr sind als nur grafische Nachbildungen. Die Zwillinge sind zuerst und vor allem „Daten-Bündel“, die in Echtzeit erzeugt und ständig aktualisiert werden.

Virtueller Doppelgänger bildet gesamten Lebenszyklus ab

Ein digitaler Zwilling kommt keineswegs nur einmal und während einer bestimmten Zeit zum Einsatz. Stattdessen „begleitet“ er sein reales Vorbild über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. So kann er beständig wertvolle Informationen darüber liefern, wie es im Alltag genutzt wird. Solche Rückmeldungen ermöglichen dann etwa die fortlaufende Optimierung einer Maschine im Betrieb.

Zudem können die Zwillinge für Rückkopplungen mit dem Hersteller genutzt werden, die dann zum Beispiel die Verbesserung künftiger Produkte erleichtern. Dieser ungehinderte Datenfluss von der „echten“ Maschine in die IT von Anwender, Hersteller und zurück wird „Digital Thread“ genannt – der digitale Faden, der konstant und unsichtbar neben dem physischen Produkt herläuft. In der Medizin könnte ein Digital Twin als „virtueller Doppelgänger“ des Menschen eine personalisierte, individuelle Behandlung ermöglichen. Die Anamnese-Daten des Patienten könnten beispielsweise mit Daten aus idealtypischen Krankheitsverläufen kombiniert werden. So lassen sich die Krankheitsentwicklungen besser nachvollziehen und passende Behandlungsmethoden simulieren. Daraus ließen sich dann ganz individuelle Therapieformen ableiten.

Was bringt der Digital Twin für den Konzern?

In Zukunft können mithilfe von Digital Twins datengetriebene und ortsunabhängige Entscheidungen getroffen werden. Die Technologie ist für uns auf verschiedenen Themengebieten relevant. Digitale Zwillinge lassen sich in den Bereichen Underwriting, Risk Management und Schadenmanagement einsetzen. Zum Beispiel könnte ein Gebäude vollständig digitalisiert und aufgenommen werden, um versicherungsrelevante Merkmale zu erkennen und zu dokumentieren. Hier wurde vom Innovation Campus bereits ein Prototyp erstellt, in dem das Gebäude D75 komplett digitalisiert wurde.

Im Kfz-Bereich können digitale Abbilder von Fahrzeugen erstellt werden, um zum einen den Zustand der zu versichernden Fahrzeuge zu dokumentieren und zum anderen Schäden automatisiert bewerten zu können. Zu diesem Thema wird gerade ein Pilotprojekt mit dem ADAC durchgeführt, um weiterführende Erkenntnisse zu diesen Anwendungsfällen zu erhalten.

Ein weiterer möglicher Use Case ist ein vollständig digitaler Zwilling des Kunden. Zum einen könnten dabei alle Informationen über den Kunden selbst in digitaler Form abgebildet werden und zum anderen die kompletten Versicherungsprodukte, die ein Kunde hat und potenziell noch benötigt. Somit wäre eine umfassende Betreuung in einem sich ständig ändernden Umfeld möglich. Ein weiteres spannendes Feld, das es zu entdecken gilt.