#1/18 Panorama

In der 300-jährigen Regulierungsgeschichte der Feuersozietät gab es viele Katastrophen. Oft war dabei das Maß der Vernichtung verheerend und viele Opfer zu beklagen. Dabei zeigte sich das Unternehmen auch abseits seiner Statuten groß­zügig.

Die Explosion des Pulverturms am Spandauer Tor im Jahre 1720 – zwei Jahre nach der Grün­­dung der Feuersozietät – zählt zu den verhängnisvollsten Unglücksfällen der Berliner Stadtgeschichte. Betroffen waren auch die 1701 bis 1703 errichtete Garnisonkirche und die Garnisonschule.


Johann Friedrich Walther, zunächst Schüler, später Lehrer und Organist an der Garnison­schule und zudem Stadtältester von Berlin, hat alles miterlebt und aufgeschrieben. Wenn­gleich die Soldaten, die die Pulver­vorräte ausräumen sollten, Schuhe mit Filzsohlen trugen und angehalten waren, äußerst vorsichtig zu hantieren, kam es zu diesem Unglück. Die genaue Ursache konnte nie geklärt werden. 19 Soldaten, 36 Garnison­sschüler und 21 weitere Opfer starben, viele Menschen wurden verletzt. Obwohl Ex­plosions­­schäden laut Statut durch die Feuer­versicherung nicht abgedeckt waren, wurden dennoch 3 000 Reichstaler erstattet.

Zeitgenössische Darstellung des Brands der Petrikirche im Jahr 1730

Für die einstige Petrikirche in Cöllns Mitte als eine der wichtigeren Kirchen der Stadt war zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein neuer Kirch­turm vorgesehen. Der bisherige war baufällig und teil­weise abgerissen worden. 1726 begann Johann Friedrich Grael den Turmbau, der bis zu 108 Meter in die Höhe reichen sollte, auf dem alten Unterbau. 1730, kurz vor der Vollendung, setzte am 29. Mai des Jahres ein Blitz­einschlag den hölzernen Turm und das Baugerüst in Brand, auch die Kirche wurde stark beschädigt. 1733 konnte die Petrikirche dann doch geweiht werden, ging aber 1809 wieder in Flammen auf. 37 Bürgerhäuser und die benachbarte Latein­schule brannten bei diesem neuerlichen Feuer ebenfalls ab. Alle Versuche, den Großbrand zu löschen, scheiterten. Ob die Feuersozietät für diese beiden Schäden aufgekommen ist, ist nicht überliefert.

1853 wurde die Petrikirche erneut eingeweiht. 1945 schließlich brannte sie endgültig ab, nach einem Gefecht zwischen einem Trupp der SS, der sich in der Kirche verbarrikadiert hatte, und der Roten Armee. Die Ruinen wurden schließlich 1964 abgetragen.

Die Räume der ehemaligen Velvetfabrik werden heute als Büros, Wohnungen und Kreativlofts genutzt.

Nach Errichtung einer Berufsfeuerwehr 1851 musste die Feuersozietät einen erheblichen Teil der Löschkosten der Stadt übernehmen. So wurde am 31. Juli 1883 die Feuerwehr zur Köpenicker Straße gerufen. Hier brannte es in einem fünf­geschossigen Klinkerbau, in dem sich eine große Wollgarnfärberei, die Berliner Velvet-Fabrik, befand. Noch während der Erkundung wurden Brandmeister Stahl und Oberfeuermann Wendel­burg von einer Durch­zündung eingeschlossen. Als sie versuchten, sich durch einen Sprung aus dem Fenster in den Hof zu retten, starben sie. Es entwickelte sich ein Groß­brand. Bei den Lösch­arbeiten wurde ein weiterer Feuermann durch ein herabstürzendes Gesims erschlagen.

Die Bauten der 1873 gegründeten Velvet-Fabrik Martin Mengers & Söhne sind bauliche Zeugnisse für Berlin als einstmals bedeutenden Standort der Textilindustrie. Sie vermitteln noch heute eine authentische Vorstellung von dem lange Zeit weitläufig von Kattunfabriken, Färbereien und Bleichen geprägten Stadtbild entlang der Köpenicker Straße.


Am 30. Januar 1929 brach in den Abend­stunden im Warenhaus Hermann Tietz in der Chausseestraße im Bezirk Wedding ein Brand aus. Vermutliche Brandursache: Baumaß­nahmen. Der Brandherd konnte in einer hölz­ernen Trennwand zum Neubau lokalisiert werden. Die Feuerwehr war zwar innerhalb kürzester Zeit vor Ort, doch sie konnte nur eine Ausbreitung des Feuers verhindern. So blieben die meisten der benachbarten Häuser sowie die im unmittelbaren Umfeld liegenden 30 bis 40 Fabriken unbeschadet.


Die Feuersozietät leistete für diesen Brand eine Entschädigung in Höhe von zwei Millionen Reichsmark.


Birgit Kattau

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