#1/18 Fakten + Hintergründe

Der Altar in der Margareta-Ebner-Kapelle im Kloster Maria Medingen ist groß. Viel Holz bedeutet viel Nahrung für ein Feuer. Wie eine Kerze mit zu dickem Docht hat der Altar unregel­mäßig gebrannt und gerußt – zum Glück! Teile der Chörleingitter in der Kapelle sind unter einer dicken Schicht aus schwarzer Schmiere verborgen. So haben sie den Brand größtenteils überstanden und können gerettet werden. Von hier bis zur voll­ständigen Restaurierung ist es aber ein weiter Weg.

2015: Brand im Kloster

In der Sakristei des Klosters Maria Medingen im Landkreis Dillingen ist am 5. Juli 2015 ein Feuer ausgebrochen. Eine Schwester kam ums Leben. Das Feuer hat vor allem die Seitenkapelle mit dem Grab der Margareta Ebner (1291–1351) zerstört. Seit dem Brand haben mehr als 50 Handwerker und Restauratoren 79 000 Arbeitsstunden mit der Wiederherstellung verbracht. Die Schadenhöhe wird bis zu maximal 20 Millionen Euro betragen.

Die Restauratoren stellen fest, welche Materialien die Künstler bei der Herstellung der Chörleingitter verwendet haben, bestimmen deren Alter und untersuchen Holzproben auf gesundheitsschädliche Stoffe. Darauf legt Günter Selentin, Schadenexperte der Versicherungskammer Bayern, großen Wert. „Das ist kein Museum. Die Schwestern leben in diesem Kloster und sie sollten das ohne Atemschutzgeräte tun können.“

Eva Wiegerling-Hundbiß, Günter Selentin und Stefan Hundbiß (v. l.) begutachten das teilweise wiederhergestellte Chörleingitter.

Originalzustand ist Ansichtssache

Neben Restauratoren und Versicherung spielt der Denkmalschutz bei der Wiederherstellung eine wichtige Rolle. Das Amt bestimmt die Vorgehensweise, mit der Altar und Gitter in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden sollen. Keine einfache Aufgabe, denn die Gegenstände sind teilweise mehrere Hundert Jahre alt und haben viele Umgestaltungen erlebt.

Ist die Entscheidung über den Originalzustand getroffen, beginnt die eigentliche Arbeit der Restauratoren. Sie bringen den Altar und die Chörleingitter nach Gaißach, wo sie in den Hallen der Werkstätten Wiegerling restauriert werden. Hier gibt es Kunstschmiede, Goldschmiede, Holzbildhauer, Stuckateure, Kirchenmaler und viele weitere Spezialisten, die in den kommenden Jahren die Spuren des Feuers tilgen werden. Sie beginnen mit den Gittern. „Wir haben momentan fünf Holzbildhauer für fünf Gitter und hoffen, dass wir bis Ende 2018 mit der Restaurierung fertig sein werden“, sagt Eva Wiegerling-Hundbiß, Mitarbeiterin der Werkstätten.

Holzkohle, Kreide und Blattgold

Ein Holzbildhauer zeichnet eine Vorlage, schneidet das Holz in Form und passt die Elemente in das verkohlte Gitter ein. Den nötigen Halt gibt Leim. Wie auf einem großen Schachbrett sieht man schwarz und weiß – verkohltes und neues Holz wechseln sich ab. Im nächsten Schritt trägt eine Kirchenmalerin mehrere Schichten aus Kreidegrundierungen und gelblich-rötlicher Tonerde auf.

Sobald der Untergrund vorbereitet ist, nimmt Wiegerling-Hundbiß einen Pinsel und streicht ihn mehrfach über ihre Wange. Danach legt sie mit einem Spatel eine tausendstelmillimeterdünne Schicht Blattgold auf die oberste Tonschicht. Das Gold kräuselt sich, der leiseste Windhauch würde es davonwehen. Wiegerling-Hundbiß poliert es mit einem Achatpinsel, bis es mit dem Untergrund verbunden ist.

„Bei den Chörleingittern haben wir lange über die richtige Methode diskutiert“, erklärt Selentin. Zeitweise stand auch der Einsatz eines 3D-Druckers im Raum, aber letztlich haben Werkstatt, Versicherung und Denkmalschutz sich für das Schnitzen entschieden, auch wenn es sehr aufwendig ist. „Die Versicherungs­kammer Bayern hat wirklich alles unternommen, um das Kloster, so gut es geht, zu erhalten. Das ist heut­zutage nicht selbstverständlich und deshalb umso bemerkenswerter“, sagt Stefan Hundbiß.

Matthias Hohn