#1/18 Engagement

Durch Kooperation sowie nachhaltiges und vernetztes Engagement von Ehrenamtlichen, Künstlern, Firmen und gemeinnützigen Organisationen entstand in der Münchner Innenstadt aus städtischem Leerstand ein neues Wohn- und Kulturzentrum.

Wer in München in der Müllerstraße 2–6 am „Bellevue di Monaco“ vorbeikommt, sieht das große Plakat schon von Weitem: „Jeder kann Genosse werden“, mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß. Das 2016 gegründete Wohn- und Kulturzentrum für unbegleitete Flüchtlinge und interessierte Münchner organisiert sich als Sozialgenossenschaft. Hauptziel ist es, geflüchtete Menschen zu unter­stützen und ihnen durch Wohn­möglich­keiten und Angebote einen Neubeginn in München zu ermöglichen.

Selbstverständlich selbstständig

Im Wohnhaus Müllerstraße 6 werden in zehn Wohnungen junge Geflüchtete nach der Be­treu­ung durch die Jugendhilfe in ein selbst­ständiges Leben begleitet. In der Müllerstraße 4 gibt es weitere sechs Woh­nungen, die auch für Familien geeignet sind. Insbesondere durch die Förderung der Qualifizierung von Ehren­­amtlichen durch die Versicherungskammer Stiftung ist „Bellevue di Monaco“ eine zentrale Anlauf­stelle in der Beratung und Vermittlung für asyl-, sozial- und arbeitsrechtliche Fragen, Spracherwerb, Patenschaften sowie inter­kulturellen Austausch geworden. Zudem gibt es für alle Aktiven Weiter­bildungsangebote, um den durchaus wechselnden Anforder­ungen und Bedarfen nachkommen zu können. In verschiedenen Projekten, wie der Reno­vierung des Hauses oder Patenschaften mit Geflüchteten, werden Freiwillige gesucht und gefunden, die ehrenamtlich mitwirken.

„Bellevue di Monaco“-Titelbild zur Programmübersicht März und April 2018

Zu diesem Zweck wurde unter anderem ein offenes (Info-)Café an der Ecke Müller-/ Corneliusstraße eröffnet, das Geflüchtete und Ehrenamtliche gemeinsam betreiben: Beispiel­sweise werden landestypische Gerichte aus den Herkunftsländern der Geflüchteten ge­kocht und den Gästen zur Lunchtime serviert. Regelmäßige Info-Abende aus dem Themen­kontext Asyl und Migration, Konzerte und Working-Cafés schaffen eine offene Atmos­phäre für ein interkulturelles Miteinander. „Bellevue di Monaco“ ist ein Ort, an dem die Menschen zusammenkommen, entweder um gezielt Hilfe zu erhalten oder sich zu infor­mieren oder um einfach nur einen Kaffee zu genießen. All dies entsteht durch die eigen­ständige – oft sehr kreative – Zusammen­arbeit eines Teams aus Haupt- und Ehren­amtlichen.


Katharina Strebel

„Es ist heute wichtiger denn je, pragmatisch und unaufgeregt ein wirkliches Ankommen der Geflüchteten bei uns zu er­möglichen. Das ,Bellevue di Monaco‘ soll den Raum dafür bieten – und auch eine Forum für Debatten sein, in denen sich die ganze Stadt­­gemein­schaft konstruktiv mit Zukunfts­themen wie Flucht und Migration, Ein­wanderung und Aus­grenzung, Extremismus und Natio­nalismus auseinandersetzt.“

Matthias Weinzierl, Genossenschaftsvorstand