#2/17 Diskussion

Gefangen in der
Filterblase

Wie Medien unsere Meinung beeinflussen

Der Mensch ist ein Herdentier. Er umgibt sich gerne mit Leuten, die ihm ähnlich sind. Kollegen, die in derselben Abteilung arbeiten, haben ähnliche Fähigkeiten. Fans im Stadion feuern denselben Verein an, und Zuschauer in einem Kinosaal haben entweder denselben Filmgeschmack oder sie haben sich in der Tür geirrt. So mitreißend das Miteinander mit Gleichgesinnten ist, birgt es auch Gefahren für die eigene Meinungsbildung. Diesen Trend befeuern die sozialen Medien noch weiter.

Nehmen wir Facebook. Das Netzwerk merkt sich, was wir liken, und schlägt einem darauf basierend Seiten vor. Die meisten Menschen sind online mit Menschen befreundet, die ihre Neigungen teilen, und konsumieren Medien, die ähnliche Meinungen vertreten wie sie selbst. Durch Posts in diesen Medien fühlen sie sich bestätigt. Diskussionen zu diesen Posts bestärken sie weiter, fremde Meinungen werden nicht beachtet oder neuerdings als Fake News abgestempelt. Viele Nutzer informieren sich einseitig, ohne es zu bemerken – sie sind gefangen in einer Filterblase.

Welche Auswirkungen Vorurteile und gezielte Desinformation haben können, wurde offensichtlich, als Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Diesen Erfolg nimmt Cambridge Analytica für sich in Anspruch, ein Institut, das für den Obolus von 15 Millionen Dollar über soziale Netzwerke die amerikanischen Wähler angesprochen und gezielt den Umstand ausgenutzt hat, dass viele Nutzer in Filterblasen feststecken. Zumindest behauptet das Institut dies. Wie genau es dabei vorgegangen ist, lesen Sie im Infokasten „Die Menschensuchmaschine“.

Die Menschensuch-
maschine

Es ist notwendig, sich bewusst mit Menschen und Medien auseinanderzusetzen, deren Meinung von der eigenen abweicht. Nur so sind wir in der Lage, unsere eigene Meinung zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Daraus folgt nicht automatisch, dass wir unsere Ansichten ändern müssen – überdenken sollten wir sie aber allemal. Das gelingt am besten, wenn wir uns mit jemandem unterhalten, der uns nicht nach dem Mund redet.


Matthias Hohn

Die Filterblase

Viele Menschen beschäftigen sich ausschließlich mit Personen und Medien, die die eigene Meinung bestätigen und dem eigenen Weltbild entsprechen. Dabei ist das nur ein Ausschnitt dessen, was tatsächlich geschieht. Sie leben in einem Raum, in dem nur ihre Meinung zählt und in dem es keinen Platz für Abweichungen gibt – in einer Filterblase. Diese unterscheidet sich je nach Individuum. Ein Anhänger der Linkspartei hat in seiner Blase linke Medien und progressive Freunde. Konservative Stimmen finden kein Gehör, im Gegensatz zur Filterblase eines eher rechts orientierten Wählers. Hier finden sich vor allem konservative oder rechte Medien und Bekannte mit einer ähnlichen Einstellung.