#2/17 Fakten + Hintergründe

Freimann, Schwabing, Augsburg – 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg liegen immer noch Bomben im Boden. Sollte es zu einer Explosion kommen, hilft die passende Versicherung.

Jedes Jahr sprengen und entschärfen die Räumdienste der Bundesländer rund 5 500 Blindgänger. Insgesamt liegen noch immer etwa 100 000 unentdeckte Bomben im Boden. Besondere Probleme bereiten solche mit Langzeit­zündern. Anders als mechanische Aufschlag­zünder, die die Bombe beim Aufprall zur Explosion brachten, sollten sie die Zündung erst nach dem Einschlag auslösen, um die Rettungsarbeiten zu behindern. Die Zünder sind durch die lange Zeit im Boden empfindlich geworden und können jederzeit hochgehen, was ihre Entschärfung noch gefährlicher macht.

Entschärfen oder sprengen

Die Schwabinger Bombe, die im Sommer 2012 gesprengt wurde, und die Augsburger Bombe, wegen der Weihnachten 2016 mehr als 50 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten, hatten solche Langzeitzünder. Glücklicherweise wurden sie rechtzeitig entdeckt. „Nach der kontrollierten Sprengung in Schwabing hat die Gegend übel ausgesehen“, sagt Günter Selentin (6SG). „Türen waren eingedrückt, Pflastersteine verschoben, und in der nahen Umgebung war kein einziges Fenster mehr ganz.“


Ladenbesitzer und Anwohner hatten erhebliche Schäden zu beklagen. „Grundsätzlich ist jeder gegen Schäden versichert, die bei der Sprengung von Kriegsmunition entstehen, sofern die Gefahr Feuer in der Gebäudeversicherung enthalten ist. Dies gilt analog für die Inhaltsversicherung, zum Beispiel die Verbundene Hausratversicherung“, sagt Andreas Knauer (8SV). Auch in Schwabing hat die Versicherungskammer Bayern die Schäden ihrer Kunden übernommen.


In Augsburg wurde die Bombe ohne Explosion entschärft. „Zum Glück“, meint Selentin. „In der Augsburger Bombe befanden sich 1,5 Tonnen Sprengstoff. Das ist sechsmal so viel wie 2012 in der Schwabinger Bombe.“

Obwohl die Schwabinger Bombe kontrolliert gesprengt wurde, hat sie Schäden in Millionenhöhe verursacht.

Was passiert mit entschärften Bomben?

Wer zahlt, wenn’s nicht knallt?

Es muss aber nicht immer eine Fliegerbombe sein. Eine Rentnerin aus dem Münchner Stadtteil Freimann fand Ende März zehn Tonnen Munition in ihrem Garten: Patronen, Granaten, Minen. Die hatten Wehrmachtssoldaten kurz vor Ende des Krieges dort gelagert. Die Kosten für die Entfernung der Munition muss die Grundstückseigentümerin laut Gesetz selbst tragen. In diesem Fall hilft auch keine Versicherung. „Die Versicherung zahlt im Schadenfall, also nur, falls es zu einer Explosion und dadurch verursachte Schäden kommt“, sagt Knauer.


Manch einer wird nun sagen, dass es für die Frau besser gewesen wäre, sie hätte die Munition gar nicht erst entdeckt. Allerdings säße sie dann weiterhin auf einem sprichwörtlichen Pulverfass. Jährlich detonieren in Deutschland ein bis zwei Bomben ohne äußere Einwirkung, und dabei gibt es immer wieder Verletzte und sogar Tote. Die Rentnerin aus Freimann ist mit dem Schrecken davongekommen. Und die Stadt München hat zugesichert, die Kosten für die Räumung des Munitionsdepots bis zur Höhe von 2,2 Millionen Euro zu übernehmen.


Matthias Hohn