#2/18 Panorama

Bereits im 12. Jahrhundert siedelten Slawen auf dem Gebiet des heutigen Berlin rund um die Burgen Köpenick und Spandau. Zwischen 1230 und 1240 entstand auf der rechten Uferseite der Spree die Siedlung Berlin, auf einer der Spree-Inseln die Fernhandelssiedlung Cölln. 

1432 vereinigten sich die beiden Städte zur Stadtgemeinde Berlin-Cölln, die rund hun­dert Jahre später der Hanse beitrat. Kurfürst Friedrich II. hob die gemeinsame Stadt­ver­waltung 1442 zur Durchsetzung seiner Macht­ansprüche wieder auf. 1486 erkor Kurfürst Johann Cicero das Schloss in Cölln zur ständi­gen Residenz der branden­burg­ischen Kurfürsten aus dem Haus Hohen­zollern. Der Status als Residenz­stadt brachte zwar einen Zugewinn an politischer Bedeu­tung, zugleich aber auch einen Verlust der städtischen Freiheiten der Hanse.


Im Mittelalter und am Anfang der Neuzeit verzeichnete die Stadt wegen der zahlreich­en Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder starke Bevölkerungsverluste. Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) war die Zahl der Bürger auf 6 000 ge­schrumpft. 

Toleranz und Weltoffenheit

Begründer der Tradition der preußischen Toleranz: der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm von Brandenburg

Nur langsam konnte sich Berlin von den Kriegs­­folgen erholen. Ein Großteil der Häu­ser war in Mitleiden­schaft gezogen. Friedrich Wilhelm von Brandenburg leitete in seiner Regierungszeit (1640–1688) den Aufstieg der Stadt ein, ließ Berlin zur Festung aus­bauen und erste Prachtbauten anlegen, wie die heu­tige Straße „Unter den Linden“. Die Bevölkerungszahl stieg durch seine kluge Einwanderungspolitik wieder an: Der Kur­fürst erließ das Toleranzedikt von Potsdam: Ein großer Teil der in Frankreich wegen ihres Glaubensbekenntnisses verfolgten Huge­notten siedelte sich in Berlin und der Mark Brandenburg an. Bald hatte Berlin über 20 000 Einwohner.

Die Hugenotten und ihre Förderung durch Steuerfreiheit, staatliche Unterstützungen sowie gewerb­liche Privilegien brachten Fortschritt in Gewerbe und Landwirtschaft. Um 1700 waren 20 Prozent der Berliner Einwohner Franzosen, und ihr kultureller Einfluss war groß. Viele Einwanderer kamen außer­dem aus Böhmen, Polen und Salzburg.


Friedrich Wilhelms Sohn Friedrich I. wurde 1701 erster König von Preußen – und Berlin zur königlichen Haupt- und Residenzstadt. Viele bekannte Bauwerke wie die Charité entstanden. 1718 wurde die Feuer­­sozietät gegründet. Zwischen 1740 und 1786 unter den Königen Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. entwickelte Berlin sich weiter zur führenden Industriestadt in Preußen mit einer Einwohnerzahl von über 150 000. Somit stieg auch die Zahl der in der Feuer­sozietät versicherten Gebäude deutlich an.

Veränderte Lebensbedingungen

Das neue Reglement von 1794/95

Doch auch weil Friedrich II. das kriegerische Geschehen in den Mittelpunkt rückte und sein Herrschafts­gebiet zur fünften Groß­macht in Europa aufstieg, wuchs Berlins Bedeutung. Zudem sorgten viele Manu­­­­fak­turen dafür, dass neue Anforderungen ans Thema Brandbekämpfung gestellt werden muss­ten: Durch restriktive Einfuhr­bestim­mungen waren Anreize geschaffen worden, Gegenstände des täg­lichen Be­darfs inner­halb des Staatsgebiets zu produ­zieren. Un­ter­nehmer stellten Rohmateria­lien wie Garne zur Verfügung, die in unzäh­ligen Privathaushalten weiterverarbeitet wurden. Auch wurde die Produktion von Seiden­stoffen vorangetrieben. Insgesamt war die Textilherstellung in Preußen ein we­sent­licher Wirtschaftszweig, auch für den Ex­port. Aber: Garne und Wolle lagerten offen, als Lampen diente offenes Feuer. Nur wenn Textil­betriebe in Berlin in staat­lichen Ge­bäu­den unter­gebracht waren, mussten sie nicht bei der Feuersozietät versichert sein.

Diese Wandlung Berlins in eine frühindus­trielle Stadt führte 1794 zu einem neuen Reglement der Feuer­sozietät, das 1795 in Kraft trat. Es dauerte rund ein­hundert Jahre bis zu einer weiteren Aktu­alisierung – 1913 bekam die Feuersozietät eine Satzung.


Wir haben einen Info-Blog im Intranet für Sie einge­richtet. Dort möchten wir uns mit Ihnen austau­schen, Ihnen Anekdoten aus der turbulenten Geschichte der Feuersozietät erzählen und Sie auf dem Laufenden halten. Klicken Sie rein!


Birgit Kattau

Viele Namen aus Ostdeutschland haben ihren Ursprung in der sla­wischen Spra­che, so auch Berlin. Sein Name setzt sich aus dem ursprünglichen Wort für Sumpf oder Morast „brl“ und der für Orts­namen typischen Endung „in“ zusammen. So liegt der Schluss nahe, dass Berlin ein Ort am oder im Sumpf war. 

In der alten Satzung war lediglich geregelt, dass die Pflicht zur Wieder­errichtung eines abgebrannten Gebäudes bestand. Im neuen Reglement wurde nun festgelegt, dass die Kosten, die ein Neu­bau ausmachen würde, ermittelt werden müssten. Im Vergleich zum ursprünglich taxierten Wert sollte zugleich die Diffe­renz ermittelt werden und zwischen­zeitlich erfolgte Preissteigerungen dem Eigentümer ebenfalls ausgezahlt wer­den. Dies entsprach einer Erstattung zum Neuwert – ein Novum.


Die Staffelung von verschiedenen Gefah­renklassen wurde – noch sehr einges­chränkt – das erste Mal bei Windmühlen angewandt: Das neue Reglement nahm eine klare Differenzierung vor. Für Loh­mühlen zum Beispiel, also Mühlen, die pflanzliche Ausgangsstoffe zermalmten, um sie anschließend in der Gerberei zu verwenden, musste der sechsfache Betrag entrichtet werden. Mit zuneh­men­der Industrialisierung wurde klar, dass auch andere Gefahren von der Versicherung erfasst werden müssen, später die Regelung zu Kirchtürmen.