#3/17 Fakten + Hintergründe

Feuer ist anspruchsvoll – eine Diva. Es braucht Hitze, Luft zum Atmen und etwas, woran es sich festhalten kann. Nimmt man der Diva einen dieser Bestandteile, verschwindet sie ohne ein Wort des Abschieds.

Sauerstoff und brennbares Material sind in Wohnungen ausreichend vorhanden. Nur die fehlende Wärme verhindert einen Brand. Legt aber jemand ein Stück Papier auf den heißen Herd, findet das Feuer perfekte Startbedingungen vor. Zuerst entzündet sich der Brandherd, die Temperatur im Raum steigt und das Feuer breitet sich aus. Durch die Hitze entsteht ein Gasgemisch, das schließlich explodiert (Flashover). Das Feuer durchdringt Wände und Türen, bis das ganze Haus brennt.

Die Ursache finden

Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hat, kommen Polizei und die Sachverständigen des Versicherers und fragen: Wie kam es zu dem Feuer? In schwierigen Fällen werden Brandursachenermittler des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) zu Rate gezogen. Sie sind der Diva auf den Fersen und rekonstruieren den Brandverlauf, um die Ursache zu finden.


„Das ist wichtig, nicht nur für die Polizei, sondern auch für Versicherer und Hersteller“, sagt Dr. Stefan Tewinkel, Standortleiter des IFS in Bayern. „Nicht, dass ein Küchengerät, das in Tausenden Haushalten steht, einen technischen Fehler aufweist und Leben gefährdet.“ Zu diesem Zweck hat das IFS ein Labor eingerichtet, in dem Chemiker und Physiker verbrannte Geräte untersuchen.

Dr. Gerd Hufnagl

Dr. Stefan Tewinkel

Regress und Prävention

Dann wird Dr. Gerd Hufnagl (6SM04) aktiv. Nach einem Brand zahlt die Versicherung die Wiederherstellungskosten und hilft so dem Geschädigten. „Wenn ein defektes Gerät den Brand verursacht hat, prüfen wir das Vorliegen eines Produktmangels und fordern dann den Zeitwertschaden beim Hersteller des Produktes“, sagt Hufnagl.


Im Jahr 2016 konnten 8,6 Millionen Euro aus Brandschäden regressiert werden. Insgesamt erwirtschaftet jeder Mitarbeiter bei 6SM04 einen Regresserlös von 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Das gelingt unter anderem, weil Regress, Schaden und IFS eng zusammenarbeiten. „Wir tauschen uns aus und haben ein Auge auf Produkte, die Brände verursachen. Bei einem Serienschaden gehen wir gemeinsam auf den Hersteller zu, auch zur Schadenprävention“, erklärt Hufnagl.

Das IFS

Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung ist eine Institution der öffentlichen Versicherer. Im Auftrag der Mitglieds­unternehmen beschäftigt das IFS bundesweit Natur­wissen­schaftler und Ingenieure, die Schadenfälle unter­suchen. Das IFS identifiziert Schadenursachen, er­kennt Schadentrends und Serienschäden.


Ziel ist es, zukünftige Schäden zu verhindern. Dies bedeutet mehr Sicherheit im privaten wie im beruflichen Alltag – zudem werden die Kosten in der Versicherungs­wirtschaft gesenkt und die Solidargemeinschaft wird entlastet.

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des IFS

Brandstiftung erkennen

Die meisten Brände entstehen zwar durch elektrische Geräte oder Nachlässigkeit der Bewohner, aber immerhin acht Prozent gehen auf Brandstiftung zurück. „Wenn jemand, der nie das Haus verlässt, plötzlich drei Tage Urlaub macht und dann um zwei Uhr morgens das Haus brennt, ist das verdächtig“, sagt Tewinkel. „Dann noch mehrere Brandherde oder Benzin und wir sehen genauer hin.“


Das IFS und die Abteilung 6SM04 sind auf alles vorbereitet. „Der Schaden soll von dem getragen werden, der ihn verursacht“, fordert Hufnagl. „Das gilt erst recht für Brandstifter.“


Matthias Hohn

IFS-Brandursachenstatisik 2016