#3/17 Engagement

­Junge Flüchtlinge ver­bessern ihre Deutsch­kenntnisse

Saarbrücker Netzwerk ANKOMMEN und Versicherungskammer Stiftung fördern Ferienkurse

Der Ferienkurs von Netzwerk ANKOMMEN

Mitten in den Sommerferien sitzt eine Gruppe Kinder im Grundschulalter im Klassenzimmer und lernt neue Wörter rund um das Thema „Freizeit“. Im Raum nebenan üben ältere Schüler gerade Prozentrechnen. Unterrichtet werden sie von Svenja, einer jungen Saarbrückerin, sowie anderen Aktiven des Netzwerks ANKOMMEN.

Sie alle sind Teil des Sommerferienkurses Deutsch – Mathe – Englisch, den das Netzwerk ANKOMMEN nun schon das dritte Jahr in Folge durchführt. Dieses Jahr finanziert die Versicherungskammer Stiftung den Kurs.


Den Anstoß gab vor zwei Jahren die 14-jährige Batuol aus Syrien. „Ich wollte unbedingt die Sommerferien nutzen, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Meine Lernpatin hat versucht, in Saarbrücken einen passenden Kurs zu finden – leider vergeblich. Da hat sie selbst einen Kurs ins Leben gerufen.“ Viele der Kinder machen den zweiwöchigen Sommerferienkurs bereits zum zweiten oder dritten Mal mit. Die lange Warteliste zeigt, dass der Bedarf groß ist.

Wer auf der Flucht ist, besucht keine Schule

Syrische Kinder sind oft seit Beginn des Bürgerkriegs nicht mehr regelmäßig in die Schule gegangen, viele haben mehrere Jahre Unterricht versäumt.


Nach der Ankunft im Saarland werden die Kinder meist nach ihrem Alter und nicht nach ihrem Wissensstand den Schulklassen zugeordnet. Sie erhalten nur wenige Wochenstunden Deutschunterricht, ansonsten nehmen sie am normalen Unterricht teil. Doch um den Stoff in anderen Fächern zu verstehen, fehlen ihnen oft die Grundlagen.


Nach ein bis zwei Jahren wird der zusätzliche Deutschunterricht reduziert oder entfällt ganz, auch wenn die Deutschkenntnisse der Kinder und Jugendlichen noch nicht gut genug sind, um den Schulstoff problemlos zu verstehen.

Eifriges Lernen in den Sommerferien

Der Ferienkurs hilft, Wissenslücken zu schließen

Zwei Wochen lang unterrichten Ehrenamtliche mit Lehrerfahrung täglich vier Stunden Deutsch, Englisch und Mathematik. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen und auf unterschiedlichem Niveau statt, sodass die gut 20 Kinder individuell betreut werden können und sich in kleiner Runde auch trauen, Fragen zu stellen.


„Wir wollen den Kindern eine Chance geben, dem Unterricht im nächsten Schuljahr besser zu folgen. So verringern wir letztendlich das Risiko, dass Jugendliche die Schule ohne qualifizierenden Schulabschluss verlassen, und erhöhen die Chance auf eine gute Integration“, erklärt Alexandra Gravelaar, Projektleiterin des Netzwerks ANKOMMEN. „Und wir hoffen, dass unser Kurs offizielle Stellen – zum Beispiel Schulen oder das Bildungsministerium – inspiriert, im nächsten Jahr selbst entsprechende Kurse anzubieten.“


Martina Westhäuser

Das Netzwerk ANKOMMEN freut sich über weitere Mitstreiter:

Flüchtlinge bei der Integration zu unterstützen, ist nach wie vor wichtig: Kinder aus nachziehenden Familien brauchen einen Platz in der Schule und wollen möglichst schnell Deutsch lernen. Familien benötigen eine größere Wohnung. Wer den Integrationskurs bestanden hat, sucht eine Arbeit, weiß aber noch nicht, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert. Hier setzt das Netzwerk ANKOMMEN an und bietet Unterstützung durch Ehrenamtliche.


Im Netzwerk kann man sich vielfältig engagieren – mit sehr geringem Zeiteinsatz oder längerfristig. Bedarf an zusätzlicher Unterstützung besteht immer, sei es durch die Begleitung einer Mutter zum Kinderarzt, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Nachhilfe oder eine Familienpatenschaft.


Projekte sind zum Beispiel das „Café Biblio“ – ein Treffpunkt für Leute mit und ohne Fluchthintergrund –, das Lotsen-Projekt der AG Ausbildung und Beruf sowie die Theatergruppe mit ihrem Stück „Morgen wird schöner“, die auch mit ihrem Theaterbus durch Saarbrücken tourt.

Kontakt zum Netzwerk

Das Netzwerk ANKOMMEN ist eine Initiative von Saarbrücker Bürgerinnen und Bürgern unter dem Dach der LAG PRO EHRENAMT e. V. Fachlich begleitet wird das Projekt vom Zuwanderungs- und Integrationsbüro der Stadt Saarbrücken.

Ziel bei der Gründung 2014 war es, Flüchtlingen erste Orientierung zu geben, Isolation zu vermeiden und das Ankommen im Saarland menschlich zu gestalten. Mittlerweile unterstützen etwa 150 ehrenamtlich Tätige Geflüchtete aktiv in ihrem Integrationsprozess. Professionalisiert wurde das Projekt durch die Bildung von festen Strukturen. Es gibt mittlerweile eine hauptamtliche Geschäftsstelle, die die Aktivitäten koordiniert und organisiert.

Homepage von Netzwerk ANKOMMEN

Telefon 0681/37 99 264