#3/18 Fakten + Hintergründe

Für die Weiterentwicklung des Ge­schäfts­mo­dells „Versicherer der Regionen“ ist KOMPAS ein zentrales Element: Es ist die Basis für die einheitliche Entwicklung und Überarbeitung der Privat- und Standard­ge­wer­be­kun­den­pro­dukte in Komposit, die von jeder Re­gi­o­nal­mar­ke genutzt werden. Dabei setzt das Programm Maßstäbe für crossfunktionales, ressort- und hierarchieübergreifendes Arbeiten.

KOMPAS steht für „Komposit Modulare Produkte mit Architektur und Services“. Seit Ende 2015 entwickeln mittlerweile ca. 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um Jutta Brauer (7H7S) und Philipp Sommer (8KQ) die konzerneinheitliche Plattform für IT-Systeme, Prozesse und Produkte in Komposit. So herausfordernd das Programm ist, so wichtig ist es auch: „Es sichert die Zukunftsfähigkeit von Komposit“, sagt Sommer. Denn zum einen erhöhen Markt­ver­än­de­rungen und Re­gu­lie­rungs­an­for­de­rungen die Änderungsfrequenz und -tiefe von Produkten. Auch müssen sich dem fol­gend Ablauf- und Strukturorganisationen laufend anpassen. Zum anderen gibt es im Konzern zu viele unterschiedliche, teils nicht kompatible Systeme, die eine Steuerung und Bestandsführung zunehmend verkomplizieren.

Ziele von KOMPAS,

der einheitlichen Plattform für

IT-Systeme, Prozesse und Produkte in Komposit

Zeit­schiene

der agilen Einführung des Wohn­gebäude­produkts VGV Vario

Bestandsführung zentral

„In einem ersten Schritt haben wir 2016 ein neues Bestandsführungssystem mit neuen Oberflächen eingeführt“, so Sommer weiter. Das Produktsystem ist dabei das „Herz­stück“. Hier werden Produkte zentral für das Betriebs- und Vertriebssystem hinterlegt. In einer Übergangsphase gibt es eine An­bin­dung zu BeKo, das perspektivisch durch KOMPAS ersetzt wird. Die Schnittstellen, etwa zum Druck-, Provisions- oder Scha­den­system, werden derzeit noch über BeKo synchronisiert. Sommer: „Unser Ziel ist, die Bestandsführungssysteme zu reduzieren und auf ein bis zwei Systeme, die sich je nach Individualisierungsgrad und Ver­triebs­we­ge­anbindung unterscheiden, zu beschränken sowie ESD für den Schaden weiter aus­zu­bauen.“ Dies ermöglicht eine stan­dard­isierte, standortübergreifende Bearbeitung über alle Risikoträger hinweg und gilt zu­künftig für alle Verkaufsmarken gleicher­maßen.

Kreuz und quer statt Wasserfall

Bei der Entwicklung von KOMAPS arbeiten unterschiedliche Fachbereiche ressort­über­grei­fend Hand in Hand zusammen. In Dienst­leistungsteams bringen Sparte, Pro­dukt­ent­wicklung, Aktuariat, Vertrieb & Marketing, Betrieb, Schaden und IT ihre spezifischen Kenntnisse ein. Das hat vielfältige Vorteile: „Wir verbessern so das gegenseitige Ver­ständnis und kommen raus aus dem Silo-Denken“, sagt Sommer. „Auch werden wir schneller, weil wir uns so vom bisherigen ‚Wasserfallmodell‘, bei dem jeder Fach­bereich – auf Basis der vorangegangenen Entscheidungen anderer Bereiche – Kon­zep­te erstellt hat, verabschieden.“ Dabei wird stets eine Produkteinführung mit so­ge­nannten technischen und prozessualen Weiterentwicklungen kombiniert. Das be­deutet, dass gleichzeitig auf Markt­fähig­keit und technisch-prozessualen Fortschritt Wert gelegt wird.

video-play-button

Aus Lücken lernen

„Uns ist bei diesem agilen Vorgehen klar, dass wir Mut zur Lücke haben, uns auch mal in einem ersten Schritt mit einer 80-Prozent-Lösung zufriedengeben müssen.“ Doch die Möglichkeit einer agilen, schnellen Pro­dukt­einführung für ausgewählte Ver­triebs­wege kompensiere dies, da so erste Erfahrungen für einen flächen­decken­den Roll-out ge­sammelt werden können. Auch zeigt sich, dass Ver­ände­rungs­be­reit­schaft und Ge­stal­tungs­wille zunehmend Raum ein­nehmen. „Mit dem Mindset für Agilität und der kon­se­quen­ten Umsetzung erhöhen wir unsere Time-to-Market und können im Nachgang erste Erfahrungen und weitere Features schnell nachziehen“, zeigt sich Sommer über­­zeugt. So richtig und wichtig der ein­geschlagene Weg ist, so er­klärungs­bedürftig ist er auch. Insbesondere für die Ver­triebs­partner ist eine agile Einführung von Pro­dukten ungewohnt und stellt Innen- und Außendienst vor neue Herausforderungen.

Miteinander reden und besser werden

„Wir waren und sind in der Versicherungs­kammer noch nicht ausreichend geübt, auf drei Wochensprints ausgelegte Arbeiten am neuen Bestandsführungssystem, an den Prozessen und den Produkten mit lang­fristi­gen Planungen einer Produkteinführung zu synchronisieren. Hier haben wir noch ein­deutig Verbesserungsbedarf“, so Sommer weiter. Deshalb habe es anfangs vermehrt Kritik und Unverständnis am Vorgehen von KOMPAS gegeben. „Mit zunehmender Er­fahrung und dank der Etablierung der Dienstleistungsteams im Februar 2018 hat sich der Austausch intensiviert, und wir sind nun auf der richtigen Spur.“ Ein großer Schritt auf diesem Weg ist das gemeinsame Verständnis der Beschreibung und Um­setzung der Servicestraße Komposit als Basis für standardisierte Prozesse. „Auch hier lernen und profitieren wir vom ge­mein­samen Austausch aller Beteiligten. Mehr denn je geht es uns also um das Ringen nach der besten Lösung, bei der alle Beteiligten zufrieden sind“, zieht Sommer eine Zwi­schen­­bilanz. „Wir müssen uns darauf ein­stellen, dass wir in diesem dynamischen Umfeld nie fertig sein werden. Das ist aber auch unsere Chance: Wir können kurzfristig reagieren und so schnell Handlungsbedarfe in Produktfeatures drehen.“ Denn das Ziel sei ganz klar: für Kunden wie Vertrieb ein positives Erlebnis zu schaffen und dafür Produkte mit ausreichenden Features zur Verfügung zu stellen.

video-play-button

Stefan Liebl